04.04.2025
Wirtschaft
Trumps 36 Prozent Zollkeule gegen Thailand
Wenn populistischer Protektionismus zur Abrissbirne wird
Diesmal trifft es Thailand mit voller Wucht: 36 % Strafzoll auf Importe in die USA – als Teil eines Pakets, das pauschale 10 % Zölle auf alle Länder und Zusatzsteuern auf Staaten mit Handelsüberschuss umfasst. Ein Frontalangriff auf die internationale Arbeitsteilung – und auf jede Form ökonomischer Vernunft.
Trump nennt es „America First“. Tatsächlich handelt es sich um America Alone – und den Versuch, wirtschaftliche Komplexität mit Vorschlaghämmern zu lösen. Die Grundidee: Handelsdefizite = Diebstahl. Importschranken = Gerechtigkeit. Oder anders gesagt: Wenn Amerika mehr kauft als verkauft, sind alle anderen Schuld.
Zölle sollen helfen, die heimische Industrie zu schützen, Produktion zurückzuholen und Jobs für die „vergessenen Amerikaner“ zu schaffen. Klingt einfach – ist es aber nicht. Denn in Wahrheit bedeutet diese Strategie:
- Höhere Preise für US-Verbraucher
- Steigende Produktionskosten für US-Firmen, die auf internationale Vorprodukte angewiesen sind
- Schädigung globaler Lieferketten
- Vergiftetes Investitionsklima
- Politisch motivierter Wirtschaftsnationalismus auf Kosten der internationalen Kooperation
Trump nutzt Zölle nicht als wirtschaftliches Werkzeug – sondern als Wahlkampfkeule. Es geht nicht um Industriepolitik, sondern um Inszenierung: Der starke Mann gegen die Welt, David gegen die Globalisierung. Für Thailand, dessen Wirtschaft stark auf Export basiert, bedeutet der plötzliche Zollsatz von 36 % auf den Warenimport der USA: Schwerer Schaden – wirtschaftlich, strukturell, psychologisch.
⚙️ Wettbewerbsfähigkeit ade - Thai-Produkte – von Elektronik über Autoteile bis hin zu Textilien und Lebensmitteln – werden auf einen Schlag unattraktiv für den US-Markt. Made in Thailand wird zur Preisbremse.
📉 Exporte brechen ein - Viele Exporteure werden Umsatzeinbrüche erleben, einige sogar ganz vom US-Markt verschwinden. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, Investitionen werden gestoppt.
🔁 Störung globaler Lieferketten - Thailand ist in viele globale Produktionsnetze eingebunden – z. B. in der Elektronik- oder Automobilindustrie. Wenn die USA hier Blockaden errichten, geraten ganze Wertschöpfungsketten ins Wanken.
💸 Währung unter Druck - Weniger Exporte = weniger Devisen. Das belastet den Baht, schwächt die Binnennachfrage und verschärft wirtschaftliche Unsicherheit.
💼 Investoren schauen sich um - Niemand investiert gern in ein Land, das von einem unberechenbaren Handelskrieg getroffen wird. Thailand droht ein Reputationsverlust als stabiler Standort in Asien.
🧍♂️ Weniger Jobs, weniger Wachstum - Wenn die Exporte stottern, folgen bald Produktionsstopps, Stellenabbau, Konsumrückgang und ein schleichender Einbruch des BIP-Wachstums. Trump mag Amerika dienen – doch Thailand wird dafür bezahlen.
Thailand exportiert eine Vielzahl von Waren in die Vereinigten Staaten. Im Jahr beläuft sich der Gesamtwert dieser Exporte auf rund 50 Milliarden US-Dollar. Die Hauptkategorien der exportierten Produkte und ihre jeweiligen Werte sind:
- Elektrische und elektronische Geräte: 16,59 Milliarden USD
- Maschinen (einschließlich Reaktoren und Kessel): 10,32 Milliarden USD
- Gummiwaren: 4,62 Milliarden USD
- Fahrzeuge (außer Schienenfahrzeuge): 2,60 Milliarden USD
- Edelsteine und -metalle: 1,70 Milliarden USD
- Artikel aus Eisen oder Stahl: 1,43 Milliarden USD
- Kunststoffe: 1,10 Milliarden USD
- Optische, fotografische und medizinische Geräte: 925,23 Millionen USD
- Fleisch-, Fisch- und Meeresfrüchtezubereitungen: 857,25 Millionen USD
Die Realität ist: Trumps Wirtschaftspolitik ist nicht durchdacht, sondern durchgetwittert. Die Zölle treffen nicht die „bösen Chinesen“ oder die „klauenden Thais“ – sondern globale Produktionslogik, Verbraucher, Arbeitnehmer und den freien Handel, auf den Länder wie Thailand nun mal existenziell angewiesen sind.
Sein Misstrauen gegenüber multilateralen Organisationen wie der WTO ist Teil eines größeren Musters: Zerstören statt reformieren. Abschotten statt verhandeln. Vereinfachen statt verstehen.
Und während der Applaus seiner Hardcore-Fans laut ist, bezahlen die falschen die Rechnung – auf beiden Seiten des Pazifik.
Was Thailand jetzt tun muss
- Exportstrategien überdenken:
Neue Märkte, neue Partner, weniger US-Abhängigkeit. - Handelsabkommen forcieren:
ASEAN, EU, RCEP – multilaterale Kooperation statt Trump’sches Roulette. - Wertschöpfung erhöhen:
Vom Billigexporteur zum Hochtechnologieanbieter. - Politische Resilienz aufbauen:
Wirtschaft nicht auf unberechenbare Wahlen in Übersee gründen. - Signal an Investoren setzen:
Thailand bleibt offen, stabil und verlässlich – trotz Trump.
Trumps Zölle sind ein wirtschaftlicher Bumerang – und Thailand steht mitten im Wurfkreis. Er verkauft seine Politik als Schutzschild – in Wahrheit ist sie eine Abrissbirne für die globale Vernunft. Thailand muss jetzt lernen, mit einem unzuverlässigen Partner zu leben – und sich wirtschaftlich breiter, klüger und selbstbewusster aufzustellen. Denn wer sich auf einen Partner verlässt, der im Alleingang die Spielregeln ändert, ist nicht nur abhängig – sondern gefährdet.
Für uns als europäische Touristen hat es natürlich auch was Gutes, denn der EUR steigt und inzwischen steht er bei fast 1:38, also rund 10 % mehr Baht für den EUR oder 10 % mehr Urlaub als noch vor 2 Wochen.
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