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05.04.2025

Bangkok  

Nach dem Beben: Bangkok hebt Katastrophenstatus auf

Trauer, Hoffnung und die Suche nach Antworten und Verschütteten

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Nach dem verheerenden Erdbeben am 28. März, das mit einer Stärke von 7,7 in Myanmar seinen Ursprung hatte und auch in Thailand deutliche Auswirkungen verursachte, hat die thailändische Regierung den offiziellen Katastrophenstatus für Bangkok nun aufgehoben – mit einer tragischen Ausnahme: der eingestürzten Baustelle des im Bau befindlichen Regierungsgebäudes im Bezirk Chatuchak.

Die Stadtverwaltung bestätigte am 3. April die Rückstufung Bangkoks, die ursprünglich nach dem Katastrophenschutzgesetz von 2007 erfolgte. Doch während der Alltag in vielen Stadtteilen langsam zurückkehrt, herrscht am Unglücksort weiter Ausnahmezustand: Rettungskräfte kämpfen rund um die Uhr, um Überlebende unter den Trümmern der zusammengebrochenen Baustelle zu finden – mit bisher tragischer Bilanz.

Die Ursache des Einsturzes des 30-stöckigen Baus scheint gefunden. Nach vorläufigen Materialüberprüfungen, scheint qualitativ minderwertiger Baustahl die Ursache für den Einsturz zu sein. Der von einem chinesischem Konzern verwendete Stahl für nun zu einer landesweiten Überprüfung von vielen Gebäuden, an deren Bau die Firma beteiligt war.

Tragödie in Chatuchak: Leben, Tod und Hoffnung unter Beton

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Die Rettungsarbeiten auf dem Gelände der eingestürzten Staatsrechnungsprüfungsbehörde gleichen einem Wettlauf gegen die Zeit – und gegen tonnenschwere Betonmassen. Bislang konnten neun Menschen lebend geborgen werden. Für 15 kam jede Hilfe zu spät. Noch immer gelten 79 Personen als verschüttet. Die Arbeiten gestalten sich extrem schwierig: Die Einsatzkräfte müssen sich durch massive, ineinander verkeilte Betonplatten kämpfen, die bis zu 30 Zentimeter dick sind – ein logistischer Albtraum und eine Gefahr für Mensch und Maschine.

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Besonders tragisch war die Situation in der Nacht zum 3. April, als in der sogenannten Zone B eine Frauenstimme unter den Trümmern vernommen wurde. Hoffnung keimte auf – Lebenszeichen wurden registriert. Doch die Realität war gnadenlos: Der Zugang zur betroffenen Stelle war blockiert. Nach stundenlangen, vergeblichen Bemühungen musste die Suche dort in der Nacht eingestellt werden. Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt trat vor die Öffentlichkeit – sichtlich betroffen – und entschuldigte sich für das Scheitern der Rettung: „Wir hörten Stimmen, wir hatten Hoffnung. Doch es gab schlichtweg keinen Weg durch.“

Schäden im ganzen Land – und die Frage nach der Sicherheit

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Landesweit ist die Zahl der durch das Erdbeben unbewohnbar gewordenen Gebäude auf 48 gestiegen, wie das Ministerium für Stadt- und Raumplanung am 4. April bekannt gab. Weitere 304 Gebäude wiesen mittelschwere Schäden auf, gelten jedoch als weiterhin nutzbar. Die Erschütterungen des Bebens, das in Myanmar seinen Ursprung hatte, aber auch in Nord- und Zentralthailand zu spüren war, haben die Frage nach der baulichen Sicherheit in urbanen Gebieten wie Bangkok mit neuer Dringlichkeit aufgeworfen.

Die Regierung versprach daher eine gründliche Überprüfung der Bauvorschriften und Notfallpläne. Ziel sei es, Bangkok widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Katastrophen zu machen.
Politische Reaktionen und Versprechen

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Innenminister und stellvertretender Premierminister Anutin Charnvirakul besuchte den Unglücksort am Abend des 3. April, direkt nach seiner Rückkehr von einer Dienstreise. Er sprach mit Rettungskräften, internationalen Hilfsteams und Gouverneur Chadchart. Besonders beachtenswert: Anutin hielt sich 30 Minuten lang in dem Bereich auf, in dem zuvor noch Lebenszeichen vermutet wurden – ein Zeichen für Anteilnahme, aber auch für die politische Brisanz der Lage.

Bei einer Pressekonferenz äußerte sich Anutin zu den Hilfszahlungen für die Angehörigen der Toten und Verletzten. Die bisher vorgesehenen 29.000 Baht nannte er „nicht angemessen“, und stellte klar: „Wenn Flutopfer bereits 50.000 Baht erhalten, dann darf der Verlust von Menschenleben nicht schlechter entschädigt werden.“ Er kündigte an, sich im Kabinett für eine Anhebung der Entschädigungszahlungen einzusetzen – mit der Unterstützung von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra und weiteren Regierungsmitgliedern.

Die Katastrophe ist vorbei – aber die Folgen bleiben

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Der offizielle Katastrophenstatus mag aufgehoben sein, doch in den Trümmern von Chatuchak liegen nicht nur Menschen, sondern auch unbeantwortete Fragen: Wie konnte eine Baustelle dieser Größenordnung unter seismischer Belastung derart einstürzen? Welche Verantwortung tragen Behörden, Investoren, Bauunternehmen?

Die kommenden Wochen werden Antworten liefern müssen – im Parlament, auf Baustellen, und in den Herzen jener, die noch auf ein Wunder hoffen.

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